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Theodor Zeerleder, ein Berner Architekt und Zeichner
Mit Theodor Zeerleder, dem Schöpfer des türkischen Rauchsalons im Schloss Oberhofen, wird der Öffentlichkeit eine zu Unrecht in Vergessenheit geratene Berner Persönlichkeit vorgestellt. Auf den Reisen, die Zeerleder bis in den Orient führten, entstand ein dokumentarisch sehr interessantes zeichnerisches Werk. In der Monographie „Mit Zirkel und Palette. Theodor Zeerleder (1820-1868). Berner Architekt, Zeichner, Orientreisender.“, erschienen in der Reihe „Schriften der Burgerbibliothek Bern“, werden Biografie und Werk dieses originellen Berners umfassend dargestellt.
Theodor Zeerleder wurde am 3. Januar 1820 in Bern als Sohn des Berner Bankiers und Ratsherrn Ludwig Zeerleder geboren. In seinem 19. Altersjahr begann er an der Polytechnischen Schule in Karlsruhe eine Architektenausbildung und setzte diese von 1843 bis 1845 mit Unterbrüchen in Paris bei Jean-Louis-Victor Grisart fort. Dort nahm er auch Unterricht beim Landschaftsmaler Louis-Auguste Lapito und begann sich für den Orient zu interessieren. Ende 1846 brach er auf eine Reise auf, die ihn zunächst nach Italien führte. Er hielt sich mehrere Monate in Rom auf und reiste dann nach Neapel und Sizilien. Im Herbst 1847 besuchte er Griechenland, wo seine Zusammenarbeit mit dem deutschen Maler Alexius Geyer begann. Im folgenden Winter durchstreifte er das Nildelta und danach die Levante. Er schloss diese Reise mit einem längeren Aufenthalt in Istanbul ab und kehrte Ende 1848 nach Bern zurück. Schon ein Jahr später zog es ihn wieder in den Orient. Diesmal reiste er direkt nach Kairo und befuhr von dort in Gesellschaft von Alexius Geyer den Nil bis zum zweiten Katarakt. 1855 besuchte er die Weltausstellung in Paris, in den folgenden Jahren bereiste er mehrmals Deutschland und 1858/59 Belgien und England. Unterwegs zeichnete er viel. Im Zentrum seiner Interessen standen italienische Renaissance-Bauten, die normannisch-byzantinische Architektur in Sizilien, griechische Tempel, die Hagia Sophia in Istanbul und ganz besonders die dem Europäer fremden Wohnbauten Kairos. In den letzten Skizzenbüchern hielt er vor allem zeitgenössische Architektur fest. Sein erster realisierter Bau ist die 1846 vollendete klassizistische Villa Egghölzli in Bern. Im türkischen Rauchsalon des Schlosses Oberhofen am Thunersee, der von 1854 bis 1856 nach seinen Plänen ausgeführt wurde, verwertete er seine Skizzen und Aufzeichnungen der Wohnhäuser in Kairo. Um 1860 präsentierte er ein Umnutzungsprojekt für den Christoffelturm in Bern.
In Zusammenhang mit seiner Tätigkeit in den bernischen Kunstvereinen trat er auch als Förderer von Kunst und Künstlern in Erscheinung. Bis heute sichtbar sind jene acht Figuren, die auf dem Gesimse des obersten Geschosses der Kantonalbank am Bundesplatz in Bern stehen und bedeutende Berner Persönlichkeiten repräsentieren.
Die vorliegende Monographie wurde von Mitarbeitern der Burgerbibliothek Bern auf Grund von Quellen- und Bildmaterial erarbeitet, das sich vorwiegend in dieser Institution befindet. Der Historiker Mathias Bäbler rekonstruierte die Biographie Zeerleders und präsentiert dessen Bauwerke. Die Kunsthistorikerin Marie Therese Bätschmann stellt das bisher unbekannte zeichnerische Werk dar. Der von Eugen Götz-Gee anspruchsvoll gestaltete, reich bebilderte Band richtet sich gleichermassen an ein wissenschaftliches wie auch an ein breiter interessiertes Publikum.
Bibliografie:
Mathias Bäbler – Marie Therese Bätschmann Mit Zirkel und Palette Theodor Zeerleder (1820-1868). Berner Architekt. Zeichner. Orientreisender. Reihe „Schriften der Burgerbibliothek Bern“ 260 Seiten, 107 Abbildungen CHF 70.— / € 46,30 ISBN 978-3-7272-1223-9
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